Mit Inka von Lebens[LeseLiebe]Lust spricht Yvonne über ihren Debütroman „Du und ich und dieser Sommer“, anstehende Projekte und ihre persönlichen Lesevorlieben. Außerdem erfährst du, wer die Hauptrollen in der Verfilmung übernehmen würde!

Dieses Interview erschien ursprünglich bei lese-liebe.com

1. Du kommst zwar aus der Medienbranche und arbeitest sogar u.A. als Filmproduzentin, dennoch ist es etwas anderes zusätzlich zu schreiben und als Autor zu veröffentlichen. Wie kam es dazu, dass du dein erstes Werk geschrieben hast?

Spannende Frage! Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? 🙂

Tatsächlich war bei mir das Schreiben zuerst da. Meinen ersten (ganz furchtbaren und ganz tief weggeschlossenen) Roman habe ich mit 14 geschrieben und sogar damals im Deutsch-Unterricht vorgelesen. Die erste, lose Version von „Du und ich und dieser Sommer“ habe ich zwischen Abitur (2008) und Studium geschrieben und dann im Studium rund 1.200 Seiten (verteilt auf zwei Teile) High Fantasy.

Wie es überhaupt dazu kam: Ich liebe einfach gute Geschichten mit einer großen Portion Liebe und Happy End. Ich will etwas für die Welt hinterlassen. Ich liebe Bücher, ich liebe Filme. Deswegen habe ich den tollsten Job der Welt – ich erschaffe beides!

2. In deinem Roman „Du und ich und dieser Sommer“ geht es um große Gefühle. Wieso dreht es sich hierbei gerade um die erste große Liebe?

Kennst du diese Liebesromane, in denen die verliebten, großen, schönen Momente nur gefühlte 20% ausmachen und 80% aus Missverständnissen und Hindernissen bestehen? Manchmal bin ich davon total frustriert.

Deswegen wollte ich bewusst eine Geschichte schreiben, die die Liebe um der Liebe willen zelebriert: Fokussiert auf die Höhen und die schönen Momente anstatt auf die Tiefen, die Zweifel, die Hindernisse. Das ging für mich am besten, indem die Figuren noch sehr jung, unbeschwert und unbedarft sind.

Im Exposé habe ich den Roman beschrieben als „eine Liebeserklärung an das Verliebtsein, eine Ode an das Lebensgefühl der Jugend und ein Hoch auf echte Freundschaft“. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass das genauso bei meinen Leserinnen ankommt und sich die meisten sogar selbst in ihre Jugend zurückversetzt fühlen.

3. Gab es eine Szene im Buch, die dir besonders wichtig war oder ganz besonders nah ging? Oder musstest du sogar Szenen kürzen?

Kürzen musste ich nichts. Das liegt vermutlich daran, dass ich durchs filmische Drehbuchschreiben eine Art eingebauten „Schwafel-Filter“ habe: „Reduce to the max!“ Was zu viel sein könnte, fliegt sofort beim Schreiben schon raus. 

Besonders schön finde ich die Szenen im Schwimmbad, sie sind so authentisch, verliebt und sommerlich. Sehr intensiv ist die Szene nachts am Spielplatz und danach bei Nicole zu Hause (Kapitel ‚Liebe ist …’) und am meisten Spaß gemacht hat das viertletzte Kapitel im Club (‚Hitze der Nacht’), weil ich da Milias’ Sarkasmus raushängen lassen und ihn auch ziemlich leiden lassen konnte. 😉

4. Haben deine Charaktere manchmal ein Eigenleben? Also sie entwickeln sich im Laufe der Handlung anders, als du es von Anfang an geplant hast oder planst du vor dem Schreiben Schritt für Schritt die Handlung durch?

Meine Figuren haben IMMER ein Eigenleben – manchmal sehr zu meinem Leidwesen, haha! Ich plane vor dem Schreiben den groben Verlauf der Geschichte und setze die fertig ausgearbeiteten Figuren dann in dieses abgesteckte Gehege. Die Geschichte entsteht dann, indem ich sie einfach beobachte und aufschreibe, was sie tun 😀. Meistens klappt das wunderbar, weil sie mich selbst mit ihren nächsten Aktionen überraschen. Aber manchmal muss ich auch die Notbremse ziehen und korrigierend eingreifen.

Einmal (während der Arbeit an meinem Fantasy Roman) ist mir wirklich passiert, dass eine Figur komplett aus ihrer Rolle gefallen ist. Die Szene musste ich neu schreiben. Aber normalerweise funktionieren die Figuren super an dieser „lockeren Leine“.
In meinem aktuellen Roman kommen sie sogar in ziemlich genau der Seitenzahl bei den Wendepunkten an, die ich im Exposé dafür angesetzt habe – obwohl sie in der Zwischenzeit (im übertragenen Sinne) noch drei Fremdsprachen gelernt und fünf Länder bereist haben, von denen ich bis dahin nichts wusste.

5. Die Liebesgeschichte um Nicole und Milias ist abgeschlossen oder werden wir noch einmal etwas von dem jungen Paar hören?

Falls der Verlag eine Fortsetzung befürwortet, gibt es auf jeden Fall noch genügend Potenzial und Stoff für einen, vielleicht sogar zwei Folgebände. 😉

6. Dein Buch wird verfilmt: Wer übernimmt die Hauptrollen?

Hey, das ist sogar gar nicht so unwahrscheinlich; eine erste Drehbuchfassung steht zumindest schon! Durch meinen Job spiele ich das quasi seit Entstehung schon im Kopf durch, wobei ein entscheidender Faktor für das Cast sein wird, ob das Buch komplett als deutsche Produktion oder als internationale Koproduktion umgesetzt wird.

Insbesondere, was Milias und Nicole angeht, bin ich ziemlich offen. Ich könnte mir sehr gut Kostja Ullmann („Groupies bleiben nicht zum Frühstück“) und Nika Krosny („Prinzessin Lillifee“) vorstellen, aber vielleicht werden es auch vielversprechende Newcomer aus offenen Castings. Meine Traumbesetzung für Valeria wäre Katy Saunders („Tre Metri sopra il Cielo“) und etwas in die Richtung von Cam Gigandet („Burlesque“) für Raphael.

7. Ist ein nächstes Buchprojekt in Planung, wenn ja darfst du uns schon das Genre oder das Thema verraten?

Es gibt sogar mehrere Projekte in verschiedenen Stadien: Fertiggestellt sind zwei Teile einer als Trilogie angelegten High Fantasy Liebesgeschichte über das Schicksal einer jungen Landadligen und eines undurchsichtigen Attentäters.

„Geparkte Ideen“ sind eine weitere High Fantasy Geschichte über zeitüberwindende Liebe und eine Prophezeiung; sowie ein Contemporary Young Adult Roman über die Macht von Träumen.

Und aktuell arbeite ich wie eine Besessene an einem (sexy) Young Adult Liebesroman, der in einem Elite-Internat spielen wird (meinen Fortschritt teile ich regelmäßig auf meinem Instagram-Profil 😉 ).
Je nachdem, wie die Vermarktungsprozesse laufen, wird als nächstes entweder der (Arbeitstitel „Prom Chess“) erscheinen – oder aber der zweite Teil von „Du und ich und dieser Sommer“.

8. Natürlich stelle ich dir auch die klassische Frage: Woher nimmst du deine Ideen? Ist tatsächlich alles Fiktion?

Hihi. Ja, alle Geschichten (und Figuren) von mir sind reine Fiktion, die richtig ins Rollen kommt, sobald die Figuren stehen. Bei denen lasse ich mich aber von der Realität inspirieren und bediene mich echter Charakterzüge, hauptsächlich von mir selbst: Je nach Funktion der Figur innerhalb der Geschichte definiere ich eine Kerneigenschaft und baue den Charakter, die Grundmotivation, Ziele und Ängste darauf auf.

Die Ideenfindung läuft bei mir in zwei Phasen ab: Grundidee / strukturelles Plotting und Detail-Plotting der Szenen. Für Ersteres muss ich – sofern mir die Idee nicht wortwörtlich im Traum zufliegt – richtig Hirnschmalz investieren und gehe nach der filmischen Log Line- und Schneeflocken-Methode vor, also von einer griffigen 1-Satz-Zusammenfassung über eine 3-Satz-Struktur bis zum fertigen Exposé, das zu einer sehr umfassenden Zusammenfassung wächst (die zu „Prom Chess“ ist 14 Seiten lang) und alle Stationen und Wendepunkte enthält.

Danach ist die „Arbeit“ vorbei und der „Spaß“ beginnt: Szenendynamik, Dialoge, Ambiente. Ich führe innere Dialoge – meistens in Form von schizophren klingenden Selbstgesprächen (daher hauptsächlich, wenn ich allein bin: im Auto oder beim Hundespaziergang). In dieser Phase ist Musik das A und O, um in die richtige Stimmung zu kommen.

9. Was liest du ganz privat am liebsten? Schreibst du genau das, was dir fehlt oder liest du auch mal etwas ganz Anderes?

Ich mag positive Geschichten, in denen Liebe eine Rolle spielt, und Happy Ends. Liebesromane lese ich lustigerweise gar nicht gerne, ebenso kann ich mit Dystopie, Psychothriller, Horror, Krimi sowie Zeitgenössischem leider nicht so viel anfangen.

Am liebsten mag ich Historische (Frauen-)Romane und Thriller (ohne Psycho-Anteil aber gerne mit High-Tech- oder religiöser Verschwörung!) – wobei ich in letzterem Genre nie schreiben könnte.

Ja, ich schreibe tatsächlich, was mir fehlt oder wovon es mehr geben könnte: „Du und ich“ als reine, glückliche, unbeschwerte Liebe. Mein High Fantasy Projekt als Mischung aus (High = Sword & Adventure) Fantasy und Romance, die man sonst nur im Historischen Frauenroman findet. Und „Prom Chess“ eine romantischere Form von sexy Elite Romanen – die ich immer wieder fasziniert anfange und jedes Mal kopfschüttelnd abbreche.

10. Ganz zum Schluss: Was liest du selbst (vielleicht sogar aktuell)? Welches Buch kannst du mir wärmstens empfehlen und wieso gerade dieses?

Leider muss ich gestehen, dass ich viel weniger zum Lesen komme, als ich gerne würde. Meistens greife ich daher auf Hörbücher zurück und hier kann ich so ziemlich alles hören, so lange es nur von Uve Teschner gelesen wird! Ich finde Buchempfehlungen ganz schwer, weil Geschmäcker so verschieden sind, aber ich schieße einfach mal frei (unabhängig von den üblichen Verdächtigen Harry Potter und Co. 😉

Zuletzt umgehauen hat mich Sebastian Fitzeks „Noah“ (Thriller / Globaler Fußabdruck) : Geht unter die Haut!

Nachhaltig beeindruckt hat mich „Die Hebammen-Reihe“ von Sabine Ebert (Historischer Roman / Starke Frauen) : Erster Siedlerzug nach Sachsen, eine junge Frau mit einem Geheimnis und eine wunderschöne Liebesgeschichte vor intriganter Kulisse.

Nie vergessen werde ich „Geheime Welt Idhùn“ von Laura Gallego Garcia (Urban Fantasy / Jugend) : Die perfekte Mischung aus Urban-/High Fantasy und Liebe für Jugendliche. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch geschrieben!

Allen Audible-Hörern, die Historische Romane mögen, empfehle ich außerdem das grandios performte Hörspiel „Jonah“ (Rebecca Gablés „Der König der purpurnen Stadt“)

Und aktuell freue ich mich total darauf, Fitzeks „Das Paket“ anzufangen.

Vielen Dank für dieses wunderbare Interview!